Fragen & Antworten

Fragen und Antworten zum Kohlekraftwerk Wedel (Stand 08.02.2026)

Wird das Kohlekraftwerk Wedel Ende 2026 abgeschaltet?

Nein, das Kraftwerk soll nicht am Ende des Jahres abgeschaltet werden. Tatsächlich soll der alte Kohlemeiler Ende 2026 konserviert werden. D.h., dass die beiden Blöcke jederzeit, nach wochenlangen Vorlauf, wieder in Betrieb genommen werden können.

Wie glaubhaft es zudem ist, dass das HKW Wedel am Ende des Jahres tatsächlich in die Reserve geht, wird sich zeigen. Seit 2013 verspricht der Hamburger Senat immer wieder die Abschaltung von Wedel. Und genauso regelmäßig wird die Laufzeit verlängert. Als Voraussetzung für die Konservierung wird der erfolgreiche Probebetrieb des neuen Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) auf der Dradenau in Hamburg angegeben.

Wann wird das Kohlekraftwerk Wedel tatsächlich abgeschaltet?

Dazu äußert sich der Hamburger Senat nicht konkret. Zuletzt wurden Aussagen in die Richtung getätigt, dass Wedel so schnell wie möglich, spätestens aber 2030 endgültig abgeschaltet werden soll. In der Senatsdrucksache 23/2665 vom 23.01.2026 gibt der Hamburger Senat an:

„Ziel ist es, die Kohle-Heizkraftwerke Wedel (HKW Wedel) und Tiefstack (HKW Tiefstack) bis spätestens 31. Dezember 2030 aus der Kohleverfeuerung herauszulösen und durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen.“

Quelle: https://www.buergerschaft-hh.de/parldok/vorgang/86411

Was bedeutet es, dass Wedel nicht abgeschaltet, sondern zunächst nur konserviert werden soll?

Wie bereits geschrieben, können die Blöcke jederzeit, nach wochenlangem Vorlauf, wieder in Betrieb genommen werden. Zudem wird in Wedel eine sehr große Menge an Kohle offen gelagert. Die Folge ist, dass bei entsprechenden Winden große Mengen an Kohlestaub in die nahen Wohngebiete emittiert werden. Dies erinnert stark an die Zustände im Ruhrgebiet in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts und entspricht nicht dem gesetzlich vorgeschriebenen „Stand der Technik“. Eine entsprechende Anfrage wurde an das zuständige Landesamt für Umwelt in Flintbek gestellt. Eine Antwort steht noch aus.

Auch: Der Wanderweg vom Wedeler Elbhochufer Richtung BusinessPark kann erst wieder geöffnet werden, wenn der Hafen (Kohlefrachterentladung) endgültig aufgegeben wird. Zudem befindet sich neben dem Wedeler BusinessPark das Ammoniak-Lager des Kohlekraftwerks, das unter die Störfallverordnung fällt (Seveso-III-Richtlinie) mit entsprechenden Vorschriften für Teile des Wedeler BusinessParks.

Betreffen die Emissionen des Kohlekraftwerks Wedel nur die direkten Anwohner?

Nein. Der Schornstein, der noch in Betrieb ist, ist rund 150 m hoch. D.h., die Emission verteilen sich großräumig. Emittiert werden u.a. die gesundheitsschädlichen Schwermetalle Quecksilber, Arsen, Blei und Cadmium. Diese Gifte können sich im Gewebe, Fett und den Organen ablagern und sind auch im Blut nachweisbar. Zudem entstehen durch den Betrieb des Kohlekraftwerks Wedel auch große Mengen an Feinstaub.

In der Greenpeace-Studie „Tod aus den Schlot“ in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart (2013) werden statistisch 13 Todesfälle pro Jahr durch den Betrieb des Kohlekraftwerks Wedel angegeben.

Quelle: https://www.greenpeace.de/publikationen/greenpeace-studie-tod-aus-dem-schlot-s01652.pdf

Sind in Hamburg Wohnungen kalt, wenn das Kohlekraftwerk Wedel ausfällt?

Nein. Am 28.12.2025 sind bei durchgängigen Minusgraden beide Kraftwerksblöcke in Wedel ausgefallen. Eine schriftliche Kleine Anfrage an den Hamburger Senat, gestellt von Stephan Jersch (energiepolitischer Sprecher der Hamburger Linken) hat ergeben, dass alle 3 Kessel des Gas-Heizwerks am Haferweg in Hamburg und die Power-to-Heat- Anlage in Wedel für die Wärmeversorgung in Hamburg gesorgt haben (Drucksache 23/2608). Zusätzlich gibt es noch Gasheizkessel in der Hamburger Hafencity und eine ölbetriebene Gasturbinenlinie in Wedel, die ebenfalls noch zur Verfügung stehen.

Ist das Kohlekraftwerk Wedel in einem guten technischen Zustand?

Nein. Seit September 2025 fallen Blöcke regelmäßig aus. Insbesondere Block 2 ist häufig nicht am Netz. Als Grund wurden mehrfach z.B. Kesselschäden genannt (Drucksachen 23/1666, 23/2357, 232608 / Schriftliche Kleine Anfragen an den Hamburger Senat von Stephan Jersch).

Zum Thema Sicherheit wurde eine Anfrage an das zuständige Landesamt für Umwelt gestellt. Zum einen wurde der Bericht der letzten, umfangreichen Sicherheitsprüfung angefordert und zum anderen die Frage gestellt, ob das Landesamt aufgrund der vielen technischen Probleme eine oder mehrere Sicherheitsprüfungen angeordnet hat. Eine Antwort steht noch aus.

Werden Hunderttausende Haushalte im Hamburger Westen mit Wärme aus dem Kohlekraftwerk Wedel versorgt?

Nein. Offiziell geben die Hamburger Energiewerke eine Zahl von 180.000 Wohneinheiten an. Dazu zählen auch große Gewerbeflächen in Hamburg, wie das Elbe-Einkaufszentrum. Die Gewerbeflächen werden auf Wohneinheiten mit dem Faktor 70 qm umgerechnet.

Emittiert das Kohlekraftwerk Wedel ätzende Partikel?

Ja. Seit 2016 emittiert das Kraftwerk ätzende Partikel (Grobstaub) in die Nachbarschaft. Die Partikel sind leicht von normalem Umgebungsstaub zu unterscheiden: Die Partikel sind meistens weiß und haben eine Größe von 1 - 4 mm. Zudem weisen die Partikel einen stark sauren (ätzenden) pH-Wert im Bereich von pH 1 auf. Zwischen Mai 2021 und Anfang 2025 wurden nur noch wenige Partikel am Wedeler Elbhochufer festgestellt. Zudem sind aus dieser Zeit keine Säureschäden bekannt. Dies hat sich leider wieder deutlich geändert: Es werden wieder große Mengen an Partikeln dokumentiert, verbunden mit teuren Ätzschäden.

Die Hamburger Energiewerke, Betreiberin des Kraftwerks Wedel und öffentlicher Hamburger Energieversorger, haben wiederholt in der Presse die „Schiffe auf der Elbe“ verdächtigt. Schuld an den Partikelemissionen sein zu können. Hier verbreiten die Hamburger Energiewerke schlichtweg Fakenews. Die emittierten Partikel wurden diverse Male in unterschiedlichen Laboren untersucht: Das Kraftwerk ist zweifelsfrei der Verursacher der Ätzpartikel. Der stark saure pH-Wert resultiert aus der Bildung von Aluminiumsulfat in den Partikeln.

Zudem: Die Partikel werden nur emittiert, wenn der Wind aus Richtung Kraftwerk weht. Die Partikel treten auch nur im kraftwerksnahen Bereich auf und dies auch Hunderte Meter von der Elbe entfernt.

Das öffentliche Unternehmen Hamburger Energiewerke macht sich nicht nur sehr unglaubwürdig mit wiederholten Äußerungen über angebliche (ätzende) Schiffspartikel. Auch die Nachbarschaft, betroffen von den Ätzpartikeln, fühlt sich hier für dumm verkauft.

Sind die emittierten Partikel gesundheitsgefährdend?

Ja. Dies ergibt sich zum einen aus dem stark sauren pH-Wert von pH 1 in Verbindung mit Feuchtigkeit. Es ist allgemein anerkannt, dass Gemische mit einem pH-Wert < 2 gesundheitsgefährdend sind. Zum anderen resultiert der stark saure pH-Wert aus der Bildung von Aluminiumsulfat in den Partikeln. Aluminiumsulfat ist das Aluminiumsalz der Schwefelsäure.

Kämen die Partikel als „Produkt“ in den Handel, müssten diese laut CLP-Verordnung mit dem Ätzsymbol gekennzeichnet werden. Gefährdet sind vor allem die Augen, da diese per se feucht sind.

Verursachen die emittierten Partikel Säureschaden?

Ja. Die Partikel versuchen Ätzschäden u.a. an Pkws. Die Schadensbilder sind seit 2016 immer dieselben und lassen sich leicht von „normalen“ Schäden unterscheiden.

Zu Beginn der Emittierung der stark sauren Partikel aus dem Kohlekraftwerk Wedel hat der damalige Betreiber Vattenfall die teuren Säureschäden mit Entschuldigungen bezahlt. Dabei handelte es sich nicht nur um Ätzschäden an Pkws, sondern es mussten z.B. auch Glasflächen an mehreren Wintergärten ausgetauscht werden. Der damalige Umweltminister Habeck hat daraufhin in 2016 bei einem Besuch in Wedel angekündigt, dass das Kraftwerk Wedel dahingehend ertüchtigt wird, das es künftig keinen Partikelregen mehr gibt und dies gegenüber Vattenfall auch formal mit einer Anordnung untermauert wird.

Quelle: https://www.shz.de/lokales/pinneberg-schenefeld/artikel/dreckschleuder-soll-sauber-werden-umweltminister-habeck-sichert-verbesserungen-im-kohlekraftwerk-zu-41607687

Eine rechtliche Anordnung zum Abstellen der Partikel ist im Nachgang allerdings nicht erfolgt. Stattdessen hat Vattenfall den Schadensregress einfach eingestellt, obwohl nachweislich immer wieder neue Schäden entstanden sind. Ein Fortschritt für die betroffenen Anwohner? Sicher nicht.

Im März 2019 war der damalige Umweltminister Albrecht in Wedel vor Ort und hat sich diverse beschädigte Pkws angesehen. Herr Albrecht hat dabei vor zahlreichen Pressevertretern Bilanz gezogen: „Hier gibt es definitiv Beeinträchtigungen, die man sehen kann und die die Leute nachvollziehbar schädigt. Vattenfall wäre gut beraten, die Schäden zu regulieren“.

Quelle: https://www.abendblatt.de/region/pinneberg/article216712219/Umweltminister-stellt-sich-Kraftwerks-Anwohnern.html

Mehrere Anwohner haben zu diesem Zeitpunkt Rechtsverfahren beim Amtsgericht Pinneberg durchgeführt. Z.B. hat der vom Amtsgericht Pinneberg öffentlich bestellte Sachverständige eine Beweissicherung an einem Pkw durchgeführt, dessen Lack deutliche Säurelöcher aufwies. In einer chemisch analytischen Untersuchung konnte die Schadensursache dem Partikelaustrag des HKW Wedel über das Auftreten von Silikat-Schmelzkügelchen in geschädigten Lackbereichen zugeordnet werden. Aufgrund der durchgeführten Verfahren vor dem Amtsgericht Pinneberg haben diese Anwohner wieder Schadensregress erhalten.

Nach Übernahme des Kohlekraftwerks Wedel durch die FHH Hamburg in 2019 haben der damalige Geschäftsführer der Wärme Hamburg und der ehemalige Umweltsenator Kerstan zugesagt, dass bis zur Umsetzung des neuen Wärmekonzepts kulanter als bisher mit Meldungen über Verschmutzungen und Schäden umgegangen werden soll. Dazu werde die Wärme Hamburg GmbH einen zentralen Ansprechpartner benennen und zudem Schäden regulieren, bei denen Gutachter von einer Verursachung durch das alte Kraftwerk ausgehen. Die neuen Eigentümer und die Geschäftsführung stünden für einen anderen Umgang mit den Nachbarn.

Quelle: https://www.abendblatt.de/hamburg/article228078831/Kraftwerk-Wedel-Anwohner-sollen-leichter-entschaedigt-werden.html

Im Nachgang hierzu wurden an mehreren Tagen Gutachtermine angeboten. Viele Nachbarn haben ein Angebot der Wärme Hamburg erhalten. Dabei ging es um den monetären Schadensausgleich für Neulackierungen an beschädigten Fahrzeugteilen. Allerdings mussten die Geschädigten unterschreiben, dass alle künftigen Schäden durch Kraftwerkspartikel an dem jeweiligen Pkw mit abgegolten sind. Wer dies nicht unterschreiben wollte oder mit der angebotenen Schadenssumme nicht einverstanden war, hat bis heute kein Geld erhalten.

Halten sich die Hamburger Energiewerke weiterhin an die Zusage, die Säureschäden durch Kraftwerkspartikel zu bezahlen?

Nein. Wie oben schon geschrieben, werden Fakenews über angebliche „Schiffspartikel“ verbreitet. Mit Glück erhalten die Geschädigten neuerdings die billigsten Waschgutscheine. Diese helfen allerdings gar nicht bei Pkw-Schäden, die eine Neulackierung erfordern. Einige geschädigte Nachbarn haben nicht einmal eine Antwort auf ihre Schadensmeldung erhalten.

Stephan Jersch (Hamburger Linke) hat auch hierzu eine Anfrage an den Hamburger Senat gestellt (Drucksache 23/2357). Die Frage war, wer für die Kehrtwende um 180 Grad im Umgang mit der Nachbarschaft verantwortlich ist? Antwort: „Eine Änderung der bisherigen Vorgehensweise seitens der HEnW hat nicht stattgefunden.“ Diese Aussage ist nachweislich falsch. Zwischen Schadensersatz für Neulackierungen und den einfachsten Waschgutscheinen liegen Welten.

Solange das Kohlekraftwerk Wedel nicht endgültig abgeschaltet ist, kann es z.B. bei Wiederinbetriebnahme immer wieder zu Säureschäden im Kraftwerksumfeld kommen.